Warum soll ich Deutsch lernen?

Ein Bekannter von mir kam vor ca. einem Jahr von England nach Deutschland. Sein ältester Sohn (11 Jahre alt) war in England auf einer mit dem Gymnasium vergleichbaren Schule.

Deswegen wurde er hier in Deutschland auch auf einem Gymnasium eingeschult. Nach diesem Halbjahr wurde er jedoch von der Schule verwiesen da er sich weigerte am Deutsch-Förderunterricht aktiv teil zu nehmen. Mein Bekannter, der auch nur begrenzt Deutsch spricht bat mich, ihm bei der Anmeldung seines Sohnes auf der Integrationsschule zu helfen.

Als ich morgens zu meinem Bekannten kam, war sein Sohn auch dort und er klagte über Kopfschmerzen und dass er sich „so“ überhaupt nicht an unserem Gespräch beteiligen könne. Sein Vater meinte er solle jetzt nicht „so“ kommen und das lassen. Er meinte wahrscheinlich, dass sein Sohn nur simuliert. Sein Sohn saß erst noch im Schneidersitz auf dem Boden. Ich holte einen Stuhl damit er auf unserer Höhe/Position war.

Dann fragte ich ihn, ob er die Kopfschmerzen denn gerade brauchen würde, worauf er und sein Vater mich verwundert ansahen und der Sohn verneinte. Dann fragte ich ihn ob er mit mir etwas ausprobieren würde, wie er mal eben seine Kopfschmerzen loswerden könnte. Darauf sah er mich noch verwunderter an, bejahte die Frage aber.

Wir haben dann zusammen das „Kopfschmerz-in-den-Ball-auf-der-Hand-und-wegschmeißen-Format“ gemacht. Die Kopfschmerzen waren danach weg. Mein Bekannter war verblüfft über diese „Strategie“. Ich denke, dass ich so einen schnellen und sehr guten Kontakt aufgebaut habe, denn ich war gar nicht der erwartet normale, logische Erwachsene.

Wir unterhielten uns dann noch ein bisschen über das was er an Deutschland besonders mag, da ich herausfinden wollte, ob er sich hier generell wohl fühlt und gerne in Deutschland ist. Es gibt sehr vieles was ihm gefällt und nur weniges was in England besser war. Besser war zum Beispiel die Schule. Er mag gerne Chemie, Musik und Sport. Mathematik und Geschichte sind ok.

In Anlehnung zu seinem bevorstehenden Anmeldungsgespräch stellte ich ihm ein paar weitere Fragen:

Ich: „Hat dir der Deutsch Förderunterricht denn Spaß gemacht?“

Er sagte nur knapp: „No!“ Was ich erwartet hatte.

Ich: „Was genau hat dir denn an diesem Unterricht keinen Spaß gemacht?“

Er: „Der Lehrer war doof, der Raum war wie ein Gefängnis und es gab keine Uhr.“

Er meinte aber weiterhin noch: „Außerdem verstehen ja alle Englisch, warum soll ich denn dann Deutsch lernen?“

Ich: „Gab es denn noch andere Kinder die an dem Unterricht teilgenommen haben?“

Er: „Ja, da war noch ein Junge aus Rumänien, den konnte man überhaupt nicht verstehen.“

Ich: „Wenn wir in Deutschland alle besser Rumänisch sprechen würden und keiner könnte Englisch, wie wäre die Situation dann für dich?“

Er blickte etwas länger zur Seite: „Dann würde mich wohl keiner verstehen.“

Ich: „Hast du denn die Lehrer in England verstanden?“

Er: „Ja natürlich! Sonst hätte ich mich dort ja auch nur im Unterricht gelangweilt!“

Ich: „Hältst du es für wahrscheinlich, dass der Unterricht hier auch interessanter sein könnte wenn du die Lehrer besser verstehen würdest?“

Er dachte kurz darüber nach, zur gleichen Seite blickend: „Ja, höchstwahrscheinlich sogar.“

Ich: „Was ist den die Voraussetzung dafür, dass du die Lehrer besser verstehst?“

Er: „Dass ich Deutsch lerne.“

Ich „Könnte es sein, dass du dann auch mehr Freunde hast, wenn du Deutsch sprichst?“ (Er hatte nur einen Freund, der aber froh ist mit ihm englisch sprechen/üben zu können)

Er überlegte wieder etwas, in die andere Richtung (Seite) blickend: „YES!“

Ich: Und möchtest du jetzt Deutsch lernen?

Er: Ja!

Ich: „Wann möchtest du denn damit anfangen?“

Er: „Today (Heute)!“

Das Gespräch in der Schule verlief erwartungsgemäß gut.

Sein Vater war total glücklich und rief mich einen Tag später an, dass sein Sohn jetzt von sich aus angefangen hat mit der Deutsch Sprachlern-Software zu üben. Zusätzlich haben Sie noch einen privaten Deutschlehrer engagiert.

Mein Bekannter wird jetzt auch an einer Deutsch Fördermaßnahme teilnehmen, da wir gemeinsam zu dem Ergebnis kamen, dass sein eigenes „nicht deutsch sprechen und lernen“ eventuell mit dem bisherigem Unwillen seines Sohnes im Zusammenhang stehen könnte. ;-)

 

Michael Andresen, NLP Practitioner



 

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