NLP-Pressestimmen

 Kommunikation mit NLP
Der wissenschaftliche Beweis - NLP und die moderne Hirnforschung

Dass das NLP kein Hokuspokus ist, belegt die moderne Hirnforschung. So verblüffend wie wahr: Etliche Wirksamkeits-Voraussetzungen, von denen das NLP bislang stillschweigend ausgegangen ist, sind inzwischen wissenschaftlich bewiesen. Über die neurobiologischen Hintergründe von Modellen wie dem Ankern und Reframing sowie Formaten wie dem New Behavior Generator.

Preview: Die Macht des Unbewussten: Warum alles, was wir tun, auf unbewussten Prozessen beruht. Unbemerkte interne Schleifen: Wo und wie im Gehirn die innere Landkarte gebildet wird und auf welche Weise Glaubenssätze entstehen. Distanzierung von Milton Erickson: Weshalb es an der Zeit ist, sich von der rein positiven Bewertung des Unbewussten zu verabschieden. Neuronale Autobahnen: Warum Intensität nötig ist, um neues Verhalten zu begründen. Weg von der Problemorientierung: Die Forschung bestätigt, dass es nichts bringt, unförderliche Verhaltensweisen zu analysieren. Im Gehirn abgebildet: Die neuronale Funktionsweise von Reframing, Ankern und dem New Behavior Generator.

Am Anfang erschien NLP wie Zauberei und ein Märchen - und die beiden Begründer John Grinder und Richard Bandler haben ihre Methode gewissermaßen auch als Märchen verkauft. Denn am Beginn ihrer Seminare verkündeten sie immer, dass sie nur Lügen erzählten, nichts von dem, was sie lehrten, sei wahr. Ihre Methodik funktioniere lediglich, und darum solle man sie doch einfach anwenden ...
Genau genommen haben Grinder und Bandler natürlich nicht gelogen. Sie konnten nur nichts beweisen, konnten damals nicht genau erklären, warum das Neuro-Linguistische Programmieren funktioniert. Ihrer Sache fehlte das wissenschaftliche Fundament, und damit erschien sie als Märchengeschichte. Doch das hat sich inzwischen grundlegend geändert. Das Modell, das Bandler und Grinder vor 30 Jahren so betont unwissenschaftlich etablierten, erfährt heute durch die Erkenntnisse der modernen Hirnforschung eine wissenschaftliche Untermauerung. So erstaunlich wie wahr: Nahezu alle Präsuppositionen des NLP sind inzwischen neurowissenschaftlich belegt.
Zu verdanken haben wir diese Belege computergestützten Verfahren, die es uns erlauben, die Aktivität des Gehirns nahezu bis auf die Ebene einzelner Neurone nachzuverfolgen (zu den Fachbegriffen vgl. das Glossar im Kasten S. 10). Man nutzt hiefür zum einen die Eigenschaft von Wassermolekülen, sich in starken magnetischen Feldern auszurichten (Magnet-Resonanz-Tomographie). Zum anderen knüpft man an den Umstand an, dass aktive Neurone mehr Energie verbrauchen, die durch vermehrten Traubenzuckerumsatz bereitgestellt wird. Verabreicht man einer Testperson radioaktiv markierten Traubenzucker, lassen sich aktive Hirnareale durch die erhöhte Strahlenabgabe sichtbar machen: Durch aufwendige Rechenoperationen werden die radioaktiven Signale in zweidimensionale Bilder verwandelt; durch Kombination mit der konventionellen Computertomographie sind sogar dreidimensionale Bilder möglich (Positionen-Emissions-Tomographie).

Warum die Landkarte nicht das Gebiet ist.

Die vielleicht spannendste Beobachtung der modernen Hirnforschung betrifft unser Unterbewusstsein: Es spielt nämlich eine weit größere Rolle für unser Denken und Handeln, als es vielen Menschen womöglich lieb ist. Tatsächlich ist es so, dass unser Zentralnervensystem ständig ein Abbild von unserer Umgebung kreiert - ohne dass wir das bemerken. Jeder Sinnesreiz wird erst mehrfach gänzlich unbewusst gefiltert und in seiner Bedeutung gefärbt, bevor er überhaupt in Hirnregionen vordringt, die mit der Bewusstseinsbildung einhergehen. Das erklärt die zentrale These des NLP, nämlich weshalb jeder Mensch nur eine Landkarte der Welt wahrnehmen kann und diese Landkarte niemals das tatsächliche Gebiet ist.
Die Signale, die in gefilterter Form von außen ins Bewusstsein dringen, werden in der Hirnrinde, dem Cortex, zusätzlich durch interne Schleifen perfekt ausgebaut und aufrechterhalten. Auch dieser Prozess findet, wie das meiste in unserem Gehirn, größtenteils unbewusst statt. Die neurophysiologische Erklärung für die meist unbewussten internen Schleifen: Im Cortex beträgt das Verhältnis von Außen- zu Binnenverdrahtung von Nervenzellen eins zu 5.000.000. Auf jedes auf- oder absteigende Neuron kommen also fünf Millionen intracortikale (binnenverschaltete) Neurone, die die eingehenden Informationen untereinander hin- und herschicken - bis sich etwas "selbst Gewebtes" daraus bildet. Im NLP sagt man ja, dass durch bestimmte Erfahrungen und deren Generalisierung Glaubenssätze entstehen. Jetzt ist klar, wo und wie sich das vollzieht!

Das Bewusstsein hinkt dem Unterbewusstsein hinterher.

Wie sehr das Unterbewusstsein für unser Denken und Handeln bestimmend ist, schildert der Verhaltensphysiologe Gerhard Roth in seinen 1995 und 2001 erschienenen Büchern, wobei er sich auf Experimente bezieht, die der amerikanische Hirnforscher Benjamin Libet schon in den 80er-Jahren vorgenommen hat (zu den Büchern vgl. Service-Kasten S. 13). Roth zeigt konsequent auf, dass das, was wir als bewusste Entscheidung wahrnehmen, das Ergebnis eines komplexen unbewussten Prozesses ist. Während unser Bewusstsein noch grübelt, hat das Unterbewusstsein längst seine Entscheidung gefällt. Durch aufwendige Hirnstrommessungen kann man demonstrieren, dass das Bewusstsein dem Unterbewusstsein deutlich hinterherhinkt. Ersteres ist dann vor allem damit beschäftigt, einer Entscheidung, Wahrnehmung oder Handlung im Nachhinein eine logische Erklärung zu geben.
Das NLP lag diesbezüglich schon immer richtig - zumindest insofern, als es das Unterbewusste durch ideomotorische Signale u.Ä. bei tief greifenden Veränderungsprozessen meist einbezogen hat. Allerdings ist es vielleicht an der Zeit, sich von der wertenden Konnotation zu verabschieden, die das NLP von Milton Erickson übernommen hat. Der Begründer der Hypnotherapie definiert das Unterbewusste ja als riesige Ressource, prall gefüllt mit Fähigkeiten, Wissen und Möglichkeiten, die dem Bewusstsein bisweilen nicht zugänglich sind. Auf Grund der wissenschaftlichen Untersuchungen scheint es eher korrekt, das Unterbewusstsein weder als animalisch und bedrohlich zu betrachten (Sigmund Freud) noch als grundgut (Milton Erickson), sondern es einfach als vielseitig und unberechenbar anzunehmen und es zudem wertfrei als Basis anzuerkennen, auf der sich unser Bewusstsein bildet und auf der wir handeln.
Trotz der Macht des Unbewussten ist natürlich persönliche Veränderung und Neulernen möglich: und das, wie die Wissenschaft neuerdings weiß, zeitlich unbegrenzt, bis ins hohe Alter - eine Prämisse, von der das NLP ebenfalls schon immer ausgegangen ist. Der Neurobiologe Gerald Hüther spricht in seinem Buch "Bedienungsanleitung für ein menschliches Gehirn" (vgl. Servicekasten S.13) von der lebenslangen Plastizität des Gehirns und zeigt auf, dass das menschliche Gehirn weniger mit einem bestimmten Programm zur Welt kommt als mit der Fähigkeit, programmiert (!) zu werden - und zwar insbesondere durch Beziehungserfahrungen in unserer Umwelt (an dieser Stelle lassen die Logischen Ebenen von Robert Dilts herzlich grüßen!). Der Hinweis des Neurobiologen erinnert an die Aufforderung des NLP: "Werde, wer Du sein willst mit Hilfe des richtigen Beliefs!"

Neuronale Autobahnen erschweren neues Verhalten.

Warum es jedoch nicht immer einfach ist, neue Gedanken, Muster und Verhaltensweisen zu etablieren, macht Hüther ebenfalls deutlich: Jede Reaktion zieht eine synaptische Verschaltung der betreffenden Neurone nach sich. Mit jeder Wiederholung der Reaktion wird diese neuronale Verschaltung stärker gebahnt; schließlich wird aus dem Trampelpfad an Nervenzellen eine neuronale Autobahn. Und diese Autobahn ist so breit und bequem, dass wir sie irgendwann automatisch benutzen: Ehe wir uns versehen, läuft alles ganz fix hierüber ab - und wir haben wieder nach altem Muster reagiert oder gehandelt.
Einmal gebahnte Reaktionswege können zudem nicht mehr aufgelöst werden, d.h., einmal geknüpfte synaptische Verbindungen bleiben ein Leben lang bestehen. Um eine alte Verhaltensweise oder ein altes Muster - z.B. eine Angstreaktion - aufzugeben, muss man daher die alte Bahnung hemmen; will man (gleichzeitig) ein neues Verhalten begründen, muss man eine Neubahnung herstellen, also spezifische Neurone neu verknüpfen.
Dabei gilt, so zeigen die neuen Hirnuntersuchungen: Eine Neubahnung kann nur begründet werden, wenn der am Ende stehende Zustand intensiver ist als der alte Outcome. Denn eine hohe Intensität im Erleben bedeutet eine hohe Ausschüttung von Botenstoffen und eine quantitativ hohe Beteiligung von Neuronen. Auf diese Weise entsteht eine starke neue neuronale Bahnung, eine neue Autobahn, die bald breiter ist als die alte. Damit die neue neuronale Verknüpfung stabil wird, ist jedoch eines nötig: Wiederholung, Wiederholung, Wiederholung des neuen Verhaltens. Denn je öfter wir eine bestimmte Reaktion wiederholen, desto mehr entsprechende Neuronen verbinden sich und desto selbstständiger läuft die Reaktion schließlich ab. Die Erkenntnisse bestätigen die NLP-These "Die Aufmerksamkeit geht dahin, wo Intensität ist" und die damit einhergehende goldene Regel im NLP, bei Etablierung einer neuen Erlebens- und Verhaltensstrategie eine stärkere Intensität anzustreben, als das alte Muster geboten hat.

Die Forschung beweist: Problemorientierung ist problematisch.

Die Hirnforschung bestätigt somit auch: Neue neuronale Bahnen werden nicht dadurch erzeugt, indem man im alten Problem haften bleibt, bisherige unförderliche Verhaltensmuster analysiert und alten Mist umgräbt, im Gegenteil: Das verstärkt die neuronalen Erregungsmuster, die man ablegen will. Neue Muster etablieren sich nur durch neu ausgerichtete Gedanken. Das bedeutet zugleich, Problemaktualisierung darf nur vorgenommen werden, wenn dabei der Fokus auf der Lösung liegt, die erarbeitet wird. Das in den Siebzigern so beliebte "durch die Sch... noch einmal gehen, damit's besser wird", ist aus neuropsychotherapeutischer Sicht der größte Blödsinn, weil es die Bahnung negativer Schleifen fördert. Das NLP macht's genau richtig: Unangenehmes wird nur in Dissoziation aktiviert!
Den Umstand der nötigen Hemmung einer alten neuronalen Bahnung greift übrigens das Reframing auf, z.B. bei Angstreaktionen: Indem die emotionale Reaktion in einen neuen kognitiven Kontext gestellt wird, werden neue Bahnen zwischen Präfrontalem Cortex (dem Sitz der Persönlichkeit, im NLP würde man sagen: der zentralen Werte) und der Amygdala (dem Angstzentrum) ausgebildet. Diese neuen Bahnen hemmen das Bewusstwerden der Angstreaktion, wenngleich diese neuronal gebahnt bleibt.
Die im NLP seit Entwicklung des Modells etablierte Technik der Strategienarbeit bedeutet auf neuronaler Ebene also nichts anderes als die Neuverknüpfung spezifischer Neuronen, die zunehmend selbstständig als komplexe Verhaltens- und Wahrnehmungsmöglichkeit ablaufen. Letztlich benutzen wir für jede Fähigkeit (z.B. das Erinnern von Telefonnummern) oder jedes Problem (beispielsweise sich genervt fühlen, wenn die Schwiegermutter anruft) Strategien; erleben können wir das in Form der Abfolge von sinnesspezifischen Stationen (ich sehe das Gesicht einer Person und sehe/fühle meinen Finger in der richtigen Reihenfolge über die Tastatur des Telefons gleiten), auf neuronaler Ebene bedeutet dies die Abfolge von Aktivität spezifischer Hirnregionen. Deshalb bedeutet, auch eine Kernaussage des NLP, eine Fähigkeit auf neuronaler Ebene genau dasselbe wie ein Problem.

Biologie des Ankerns: Neurons that fire together wire together.

Darüber hinaus verbildlichen die modernen, bildgebenden Hirnforschungsverfahren auf neuronaler Ebene zum Beispiel, weshalb eine der besonders grundlegenden Techniken des NLP funktioniert, nämlich das Ankern. Man weiß heute, dass Neuronen, die gleichzeitig aktiv sind, sich durch Synapsen miteinander verbinden. In der Sprache der Neurosciences heißt das: "Neurons that fire together wire together." Wenn man also beim Ankern einen bestimmten Zustand des Klienten mit einem spezifischen visuellen, akustischen oder taktilen Reiz oder einem Geruch verknüpft, aktiviert man entsprechende Nervenzellen, die sich dadurch, dass sie gemeinsam aktiv sind, miteinander verbinden. Die neuronale Verknüpfung erklärt, weshalb dann irgendwann beim Auftreten des bestimmten Reizes gleichzeitig der entsprechende Zustand hervorgerufen wird. Auch die Technik des Zusammenführens von dissoziierten Zuständen (Collapsing Anchors) findet hierin ihre neurophysiologische Erklärung.
Die Entdeckung der so genannten Spiegelneuronen stellt einen weiteren verblüffenden Bezug zum NLP her. Spiegelneurone vermitteln uns, vereinfacht gesagt, eine Empfindung davon, wie sich eine bestimmte (motorische) Aktivität anfühlt, einfach indem wir das entsprechende Verhalten bzw. den entsprechenden inneren Zustand bei anderen beobachten. Spiegelneuronen vermögen also einen visuellen Input in eine haptische Erfahrung zu übersetzen. Das ist die Erklärung dafür, warum im NLP das Format des New Behavior Generator so gut funktioniert.

Spiegelneurone erklären den New Behavior Generator.

Beim New Behavior Generator stellt man sich ja eine Person vor, welche eine Fähigkeit besitzt oder ein Verhalten zeigt, welches man selbst erlangen möchte. Nachdem man diese internale visuelle Repräsentation stabil aufgebaut hat, setzt man sich innerlich selbst an die Stelle des Modells. Im nächsten Schritt verschmilzt man mit seiner Wahrnehmung der eigenen Person (Assoziation). Nun kann man fühlen, wie es ist, wenn man die erwünschte Fähigkeit, das gewünschte Verhalten besitzt oder ausführt. Ohne Spiegelneuronen wäre man nicht in der Lage, diesen Prozess internal zu durchlaufen.
Die Liste an Beispielen, wo das NLP mit den Neurowissenschaften korrespondiert, lässt sich noch lange fortsetzen und umfasst sogar Fragen des sozialen oder genetischen Determinismus. Bekannt ist ja die Debatte, ob wir eher durch unsere Gene oder durch soziale Erfahrungen geprägt werden. Durch Untersuchungen an Flusskrebsen konnte man feststellen, dass soziale Bedingungen (Position in der sozialen Hierarchie) das Ansprechen bestimmter Neurone auf spezifische Neurotransmitter ändert. Wird ein bislang sozial unterlegenes Tier zum Alphatier, wird das Neuron, welches das Schlagen mit der Schwanzflosse steuert, durch Serotonin stimuliert anstatt, wie in der unterlegenen Position, inhibiert zu werden. Soziale Erfahrungen steuern also genetische Aktivität. Das bedeutet, dass nicht die Frage, welche Gene wir haben, entscheidend ist, sondern welche Gene zu welchem Zeitpunkt durch (Beziehungs-) Erfahrungen aktiviert, also in Proteine umgewandelt werden - im NLP eine längst etablierte Grundannahme.

Erfährt das NLP eine Renaissance?

Was die wissenschaftlichen Erkenntnisse für das NLP bedeuten werden, bleibt abzuwarten. Möglicherweise wird das Neuro-Linguistische Programmieren durch die naturwissenschaftliche Fundierung bzw. Bestätigung der Grundannahmen eine Renaissance oder eine Weiterentwicklung erfahren. Ich persönlich bin überzeugt:
Gerade weil das NLP so effektiv und naturwissenschaftlich begründet wirksam ist, sollte es nur in die Hände von Personen gelangen, die mit neuronalen Prozessen vertraut sind und entsprechende Grundausbildungen mitbringen. Ohne Zweifel war es die komplett fehlende Zulassungsbeschränkung zu den Ausbildungen, die dem NLP viel von seiner Seriosität und dem Wissen um seine Wirksamkeit genommen hat. Die empirischen Daten, die das NLP nun in seiner Wirksamkeit bestätigen, könnten über die Zukunft des NLP und auch die Beurteilung des Modells in der Allgemeinheit entscheiden.

Harald Krutiak

Der Autor: Harald Krutiak ist Psychologischer Psychotherapeut. NLP-Trainer, zertifizierter Hypnosetherapeut (DGH), Coach und Supervisor mit eigener Praxis in Berlin. Der Diplom-Psychologe studierte einige Jahre Medizin und ist heute nebenher als Lehrbeauftragter der Charité Universitätsmedizin Berlin im Einsatz. Kontakt: www.krutiak.de

Glossar: Bausteine des Nervensystems

  • Alles, was wir erleben, wahrnehmen, erinnern und mental antizipieren, entsteht in unserem Nervensystem, besonders im Gehirn, das aus fünf Milliarden* Neuronen, also Nerveneinheiten, besteht.
  • Die Neurone besitzen Verästelungen, an deren Enden sich die Schaltstellen zwischen den Neuronen, die so genannten Synapsen, befinden. Synapsen ermöglichen die Reizübertragung von einer Nerveneinheit auf die nächste,
  • Die Informationsübertragung geschieht im Einzelnen über erregende bzw. hemmende Botenstoffe, die Neurotransmitter.
  • Diese docken an Rezeptoren an, das sind die an den Synapsen sitzenden Anlaufstellen. Mit dem Austausch der Botenstoffe von Rezeptor zu Rezeptor geschieht die Reizübertragung von Nervenzelle zu Nervenzelle.
  • Lebenslang kann der Mensch neue Nervenzellen und Synapsen ausbilden sowie neue synaptische Verschaltungen eingehen - eine Fähigkeit, die als Plastizität des Gehirns bezeichnet wird.

Literaturtipps

  • Joachim Bauer: Das Gedächtnis des Körpers - Wie Beziehungen und Lebensstile unsere Gene steuern. Piper, München 2004, ISBN 3-492-24179-4, 9,95 Euro. Das Buch zeigt auf, wie Beziehungserfahrungen durch Aktivierung unterschiedlicher Gensequenzen zu körperlichen Realitäten werden. Pointiert und verständlich schildert der Autor, wie Gene nicht nur steuern, sondern auch gesteuert werden, und wie der Körper zum Speicher sozialer Erfahrungen wird.
  • Robert B. Dilts: Die Veränderung von Glaubenssystemen. Junfermann, Paderborn 1993, ISBN 3-87387-068-1, 19,50 Euro.Dilts widmet sich in extenso der Entstehung, Aufrechterhaltung und Veränderung von Glaubenssätzen, jenen unbewussten Filtern der Wahrnehmung, die unser internes Abbild der Realität bestimmen.
  • Klaus Grawe: Neuropsychotherapie. Hogrefe, Göttingen 2004, ISBN 3-8017-1804-2, 39,95 Euro.Der im vergangenen Jahr verstorbene Papst der deutschsprachigen Psychotherapieforschung vermittelt relevante Erkenntnisse der Neurowissenschaften und präsentiert ein Modell neurowissenschaftlich begründbarer Psychotherapie. Sehr wissenschaftlich, deshalb nur besonders interessierten Lesern zu empfehlen.
  • Gerald Hüther: Bedienungsanleitung für ein menschliches Gehirn. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2001, ISBN 3-525-01464-3, 15,90 Euro.Auf brillante Weise schildert Hüther bahnbrechende Entdeckungen der modernen Hirnforschung und stellt in einfacher Sprache komplexe wissenschaftliche Sachverhalte dar. Eine gelungene Einführung ins Thema, auch dem neurowissenschaftlichen Laien sehr zu empfehlen.
  • Gerhard Roth: Das Gehirn und seine Wirklichkeit - Kognitive Neurobiologie und ihre philosophischen Konsequenzen. Suhrkamp, Frankfurt 2001, ISBN 3-518-28875-X, 13,50 Euro.
  • Roth beschäftigt sich vor allem mit der Frage der "Realitäts"konstruktion im Gehirn und zeigt auf, dass wir nie erfahren, was "wirklich" ist, sondern nur das sehen, was wir aus den einströmenden Informationen machen. Quasi die wissenschaftliche Variante zu Dilts Buch; allerdings beschäftigt sich Roth in diesem Werk nicht mit der Veränderung innerer Bilder.
  • Gerhard Roth: Fühlen, Denken, Handeln - Wie das Gehirn unser Verhalten steuert. Suhrkamp, Frankfurt 2003, ISBN 3-518-29278-1, 17 Euro.In diesem Werk geht es vor allem um die neuronalen Grundlagen des Erlebens und Handelns. Fragen des Bewusstseins bzw. Unbewusstseins bilden das Zentrum dieses Buches, das auch als Einstieg sehr gut geeignet ist.

Quelle: Beilage 'Kommunikation mit NLP' zu managerSeminare Heft 96, März 2006, S. 8-13.


* Anmerkung Alexander-Traning: Die Anzahl Neuronen liegt bei ca. 100 Milliarden bis 1 Billion. Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Nervenzelle

Die Welt

 Wie Kellner ihr Trinkgeld leicht verdoppeln können

Nijmegen - Kellner, die viel Trinkgeld bekommen möchten, sollten die Bestellung ihrer Kunden wörtlich wiederholen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Psychologen der Universität Nijmegen. Die Wissenschaftler ließen die eine Hälfte der Kellnerinnen eines Restaurants die Bestellung der Gäste noch einmal nachsprechen, die übrigen wurden angewiesen, etwas anderes Freundliches zu sagen, wie etwa "wird gleich gebracht". Die Serviererinnen, die die Worte ihrer Gäste wiederholten, erhielten durchschnittlich fast doppelt so viel Trinkgeld.

Die positive Wirkung der Imitation in verschiedenen sozialen Bereichen bestätigen auch andere Testreihen der Psychologen. Demnach seien Menschen hilfreicher gegenüber Personen, die die gleiche Körperhaltung und Mimik wie sie selbst annehmen, zum Beispiel ebenfalls mit dem Fuß wippen oder in der gleichen Weise mit der Hand durch das Gesicht fahren. "Nachahmung verschafft eine Art Wir-Gefühl", erklärt der Forscher Rick van Baaren, die nachgeahmte Person fühle sich in ihrem Auftreten anerkannt und bestätigt. Diese Methode ist denn auch bei Geschäftsleuten schon lange bekannt. Sie wissen, dass Menschen sich gerne selbst hören oder sehen und machen sich das zu Nutze.

Quelle: Die Welt, 10. Juli 2003

Der Spiegel

 Anker im Seelenmorast

Selbst deutsche Großkonzerne lassen ihre Manager in NLP-Kursen schulen.

Neurolinguistisches Programmieren, eine aus den USA importierte Mixtur der wirkungsvollsten psychologischen Behandlungsformen, ist zur Modetherapie der neunziger Jahre avanciert - mit verblüffendem Erfolg. Selbst deutsche Großkonzerne lassen ihre Manager in NLP-Kursen schulen.

Ariane, 29, will gerade ausführlich beschreiben, wie ihr mangelndes Selbstbewusstsein sie quält, da unterbricht der Therapeut die junge Frau: "Denken Sie bitte mal an eine Situation, in der Sie in einer exzellenten Verfassung waren."

Die Sachbearbeiterin saß eben noch mit eingefallenen Schultern auf ihrem Stuhl, nun richtet sie sich ein wenig auf. Ihre Atmung wird kräftiger, ihr Gesicht bekommt Farbe, und sie schildert, wie ihr Chef sie für einen gelungenen Geschäftsbrief gelobt hat. Im suggestiven Tonfall eines Hypnotiseurs entlockt der Therapeut Ariane Details: wie sie sich danach gefühlt, was sie gesehen, gehört und gerochen hat.

Bei jeder Antwort geht es der Patientin sichtlich ein bisschen besser. Am Ende des knapp halbstündigen Dialogs wiederholt der Therapeut ein Fingerschnipsen, das die Patientin im Hochgefühl der Erinnerung unbewusst ausgeführt hatte: "Können Sie das noch einmal machen?" Ariane folgt der Anweisung - und ist im Nu wieder bestens aufgelegt.

Künftig könne sie, so ihr Gesprächspartner, das bessere Selbstwertgefühl jederzeit per Fingerschnipsen abrufen. Was die Frau da gelernt hat, heißt "Moment of Excellence"-Technik und ist eine von vielen aus dem Methodenarsenal des Neurolinguistischen Programmierens - kurz NLP.

Diese facettenreiche Mixtur aus Hypno- und Verhaltenstherapie, aus Autosuggestion, Gestalt und Familientherapie ist der wachstumsstärkste der rund 500 Therapietypen, unter denen seelenkranke Deutsche derzeit wählen können.
Seit NLP vor zwölf Jahren aus den USA in die Bundesrepublik importiert wurde, ließen sich etwa 5000 Bundesbürger zu Fachtherapeuten ausbilden; in den Psychoabteilungen von Buchläden stehen zahlreiche NLP-Titel wie "Der Zauberlehrling" oder "Triffst Du 'nen Frosch unterwegs"; 200000 Klienten ließen sich mit der Mischtherapie behandeln, die verspricht, in einer Art Crash-Kurs die Psyche zu befreien.

NLP-Anhänger führen den Boom auf das breite Anwendungsspektrum und den vielfältigen Nutzen zurück. Die Therapien sind erheblich kürzer als herkömmliche Behandlungen und erfordern oft nur eine Sitzung, sind als Managertraining oder Verkäuferschulung geeignet und kommen deswegen schon bei Esso, Rewe, BMW, Opel, Adidas und Bayer zum Einsatz, verbessern die Kommunikation sowohl in verfahrenen beruflichen Situationen als auch bei Partnerproblemen, eignen sich für psychisch Kranke und erfolgsorientierte Gesunde gleichermaßen.

Das von ihren Anwendern als Wunderheilung im Expresstempo gepriesene Verfahren ist das Innovativste und Eleganteste, was an Psychotraining derzeit angeboten wird. Wenngleich im therapeutischen Kontext entwickelt, sei NLP nicht auf diesen beschränkt, sondern könne nahezu überall eingesetzt werden, wo Menschen mit sich oder anderen Probleme haben.

Solch umfassende Erfolgsversprechen machten Neurolinguistisches Programmieren zum Renner. Das kantige Kürzel NLP steht, so der Kölner Dozent und Psychotherapeut Jo Schnorrenberg, "auf dem Fortbildungs-Supermarkt im vordersten Regal".
" Neuro" bezieht sich auf die Annahme, dass alle inneren Zustände, von Euphorie bis Depression, auf Nervenreizen und -reaktionen beruhen. "Linguistisch" verweist darauf, dass sie durch Sprache verändert werden können. Und "Programmieren" betont den Anspruch, eingeschliffene Denkmuster ("Ich kann nicht...", "ich bin zu dumm, zu hässlich, zu dick, zu ungebildet") verändern zu können, und zwar schnell und dauerhaft.

" NLP kann mehr als frühere Systeme und ist aus dem Trainingsbereich nicht mehr wegzudenken", meint der Limburger Kommunikationstrainer Rudolf Schnappauf. "Es liefert die Möglichkeit, einen erwünschten, positiven Zustand häufiger, schneller, leichter zu erreichen und länger aufrechtzuerhalten."

Jeder 20. Deutsche, so schätzen Experten, benötigt zumindest eine ambulante psychologische Behandlung und würde ein entsprechendes Angebot wahrnehmen. Oft schrecken aber die Kosten - Krankenkassen bezahlen nur jede 500. Behandlung - und die Dauer solcher Therapien. "Beim NLP", schwärmt hingegen eine Patientin, "gibt es nicht die üblichen Jammerstunden. Ich habe sehr schnell gelernt, in die Zukunft zu schauen und Verantwortung zu übernehmen."

Einer der vielen NLP-Lehrsätze lautet, dass Menschen bereits über alle Fähigkeiten verfügen, die sie für angestrebte Veränderungen brauchen - sie setzen sie nur nicht immer ein. Dabei könnten sie auch ohne das sonst übliche Baggern im Seelenmorast Phobien, Lernstörungen, Rauchen, Trinken, Esssucht, Schlaflosigkeit oder Prüfungsängste überwinden.

Selbstbewusstes Auftreten, Erfolg im Job und in der Liebe, und dies nach einem einzigen NLP-Durchgang - das klingt vielversprechend. Entsprechend skeptisch reagieren klassisch ausgebildete Psychologen.

Nicolas Hoffmann, Leiter des Berliner Ausbildungsinstituts für Verhaltenstherapie, dämpft überzogene Erwartungen: "NLP offeriert zwar ein paar ganz interessante Ansätze, die aber eher Gesunden als schwer psychisch gestörten Menschen entscheidend helfen könnten." Ihm fehlen Wirksamkeitsuntersuchungen, die "über Anekdoten hinausgehen". Wer nichts gelernt habe außer NLP, ergänzt der Berner Therapie-Wirkungsforscher Klaus Grawe, "kann nicht als seriöser Therapeut betrachtet werden".

NLP-Therapeuten verfolgen die Leidensgeschichten ihrer Patienten nicht bis in die Kindertage zurück, sondern suchen nach positiven Erlebnissen. Die "innere Landkarte" soll verändert werden, die Vorstellung also, die jemand von der Welt hat.

Eine der Techniken hierfür ist das "Reframing": Klienten sollen erkennen, dass in ihren Krisen auch Chancen verborgen liegen, aus Leidenden sollen Handelnde werden, aus ängstlichen Pessimisten mutige Optimisten.

Christel Becker-Kolle, 40, die 19 Jahre lang an einer Autofahrphobie litt, hat es erlebt: "Ich habe zwei Analytiker verschlissen, 150 Stunden à 140 Mark auf der Couch verbracht und mich jahrelang nur damit beschäftigt, wie schrecklich meine Kindheit war." Der Erfolg dieser Prozedur war allerdings gleich Null.
Eine Dreiviertelstunde NLP dagegen brachte den Durchbruch: "Plötzlich konnte ich die positive Seite, die Schutzfunktion meiner Angst würdigen. Mir wurde klar, dass ich in meinem Leben noch nie einen Unfall hatte." Jetzt bewegt die Betriebswirtin souverän einen Wagen mit mehr als 100 PS über die Straßen.

"Wir glauben, dass alle Kommunikation Hypnose ist"

Für NLP-Therapeuten sind solche Heilungen der Beweis: Hinter jedem Verhalten, jeder Angst, so unverständlich und bizarr sie Außenstehenden auch erscheinen mögen, steckt eine positive Absicht. Sie auszuloten schafft Zugang zu bislang verschütteten Reserven des Klienten und befreit ihn.

"Ungeheuer versöhnlich, weil es den Menschen aus dem Konflikt mit seinem Problem herausholt", findet Therapeut Schnorrenberg diesen Aspekt des NLP. Doch er sieht auch "die Illusion totaler Machbarkeit", die Umdeutung von existentiellen Leiderfahrungen in "eine Art heiterer Plausibilität".

Diese Leichtigkeit ist Psychologen alter Schule suspekt. Von den beiden Begründern des NLP, den Amerikanern Richard Bandler und John Grinder, wurde sie indes bewusst propagiert. Sie versprechen "Kontrolle über das, was in Ihrem Gehirn tatsächlich passiert" und die "bedarfsgerechtere Nutzung" des Gehirns - dieses Ziel wollen sie auf kürzestem Wege erreichen.

Anfang der siebziger Jahre begannen der Informatikstudent Bandler und der Linguistikprofessor Grinder, die Arbeitsweise der drei angesehenen US-Therapeuten Fritz Perls, Virginia Satir und Milton Erickson zu analysieren. Die einzelnen Elemente ihres Erfolgs waren den Seelenforschem oft selbst nicht bewusst. Bandler und Grinder verbanden sie zum Neurolinguistischen Programm.

"Wir können eine Phobie in fünf Minuten kurieren" - mit diesem flotten Spruch verkauften sie bald ihr NLP als Kurzzeittherapie. Über Nacht wurde das Duo zu Shooting-Stars der amerikanischen Psychoszene, ihre hemdsärmelige Effizienz setzte sich rasch auf dem Psychomarkt durch.

NLP-Patienten müssen eine angsterregende Situation nicht noch einmal durchleben, sondern sehen sie gleichsam von außen, als Zuschauer - "dissoziiert" lautet der Fachbegriff. Das geschieht mittels Hypnose: Traumatische Szenen werden distanziert wie ein Film betrachtet, und so erfolgt eine leichtere Lösung aus psychischen Leiden und Verkrustungen.

Der Begriff Hypnose wird von den Amerikanern allerdings verwirrend weit gefasst. "Wir glauben, dass alle Kommunikation Hypnose ist", sagt Grinder. "Sie ist Ziel jeder Unterhaltung. Wenn jemand zum Beispiel etwas über seinen Urlaub erzählt, so will er seinen Zuhörer in einen bestimmten Zustand versetzen, eine Ferienstimmung beschwören."

Außerdem beobachten NLP-Therapeuten systematisch die körperlichen Zustände ("Physiologien") ihrer Klienten. Als wichtigste Merkmale gelten ihnen Atmung, Gesichtsfarbe, Muskelspannung, Haltung, Blickrichtung (siehe Grafik Seite 151) sowie Tonlage und Lautstärke der Stimme.

" Wer schlecht atmet oder verspannt sitzt, kann keine Ziele formulieren, Ideen kreieren oder konstruktive Dialoge führen", erläutert der Hamburger Psychologe Thies Stahl, der NLP in Deutschland popularisierte. Er leitet dazu an, sich das positive Ziel einer Problemsituation möglichst sinnlich und konkret vor Augen zu führen. "In diesem Zustand entwickelt der Klient meist schon Ideen, wie er Kräfte zum Erreichen seines Zieles mobilisieren kann."

Besonders wichtig ist für "NLPisten" (Therapeuten-Jargon), ob ihr Gesprächspartner Eindrücke eher bildlich (visuell), nach dem Gehörsinn (auditiv), gefühlsmäßig (kinästhetisch) oder nach dem Geruchssinn (olfaktorisch) verarbeitet.

Die Sprache verrät es: Visuelle Typen "sehen, worauf es ankommt", oder können sich "ein Bild machen". Für auditiv Orientierte "klingt" etwas gut oder "es fällt der Groschen". Kinästhetiker haben "ein Gespür" oder bekommen es "in den Griff". Olfaktorische Typen sprechen vom "richtigen Riecher" oder einem "unangenehmen Beigeschmack". Die Kenntnis dieser Typologie verbessert den Draht ("Rapport") des Therapeuten zu seinem Klienten.

" Einem kinästhetischen Typ kann es auf die Nerven gehen, immer wieder sagen zu müssen, dass er den Partner liebt", sagt Alexa Mohl, Managementtrainerin in Hannover. "Ein auditiver Typ kann enttäuscht sein, wenn der Partner kein Vertrauen in seine Worte hat und ständig sichtbare Liebesbeweise verlangt." Im NLP-Training sollen Menschen lernen, zu welchem Typ sie gehören und wie sie sich auf die Wellenlänge anderer einstellen können.

Auch sogenannte Anker, das sind Auslöser für erwünschte Reaktionen, spielen bei den Behandlungen eine wichtige Rolle. Melodien wecken bestimmte Emotionen, das Bild eines Klassenzimmers erinnert an schulische Qualen, ein bestimmter Geruch an die Kindheit. "Alles, was uns etwas bedeutet, ist ein Anker", sagt Stahl.

Geschickt eingesetzt, wie das Fingerschnipsen im Fall von Ariane, hält NLP-Guru Bandler das Ankern für "eine der besten heimlichen Techniken, die "Therapeuten oder Kommunikatoren anwenden können". Hans Metzger, der für eine große deutsche Bank Fortbildungsseminare leitet, spricht von einem "feinen Besteckkasten" in Sachen Kommunikationsschulung.

Die Methoden laden allerdings auch zu Missbrauch ein. "NLP macht die verdeckte Beeinflussung anderer zu deren Nachteil möglich", räumt Trainerin Mohl ein. Bandler und Grinder, so ihr Vorwurf, "berücksichtigen nicht, dass sie ihr Wissen den Mitgliedern einer Welt vermitteln, in der Macht ungleich verteilt ist und Zugang zu Wissen nicht allen gleichermaßen offensteht".

Der Bielefelder Psychologe Wilhelm Nolting bringt die Skepsis auf den Punkt: "Lernen mit NLP", sagt er, sei "hoch wirksam, setzt aber einen verantwortungsvollen Umgang mit der Technik voraus". Er vergleicht die Wunderwaffe mit einem Messer: "Man kann damit exzellent Brot schneiden, aber auch jemanden schwer verletzen."
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Quelle: DER SPIEGEL 47/1993, S. 150-58

" Ich habe mich wie gewohnt verhalten, nur die Kollegin war plötzlich ganz anders."
In den Schuhen eines anderen... .. sieht die Welt vielleicht rosiger aus. Die Methoden des NLP im Real Life Coaching.

Weihnachten steht vor der Tür und damit die nächsten Gehaltsverhandlungen. Die Frau ist wieder im Mutterschutz, der Kleine will mit auf den Schulskikurs, und die neue Heizung wird gerade installiert. Vor einem halben Jahr wäre das Gespräch auch keine Herausforderung gewesen, nur mit dem neuen Geschäftsführer - da brodelt bereits jetzt das Feuer.

Szenenwechsel - wöchentlicher Jour fix: Das präsentierte Projekt stößt bei den Kollegen wieder auf Unverständnis, die Visage des Gruppenleiters verfinstert sich merklich. Leider ist das kein Deja vu, sondern wieder eine verpatzte Chance.
Und wo liegt das Problem? Es scheitert nicht an der Qualifikation, die fachliche Kompetenz ist ein Aushängeschild und sozial fähig war man schon immer. Und dennoch sprechen die Kollegen nicht die gleiche Sprache, die Wellenlänge stimmt einfach nicht. "Das ist aber noch lange kein Grund, das Handtuch zu werfen", meint Wolfgang Karber, Trainer beim österreichischen Trainingszentrum für NLP (ÖTZ-NLP). "Wenn sich zwei vom Typ her recht unterschiedliche Menschen gegenseitig blockieren, ist das noch keine böse Absicht."

HINTERGRUND
Im Mittelpunkt des Neurolinguistischen Programmierens (NLP) stehen die Wechselwirkungen von Wahrnehmung (Neuro), Sprache (Linguistisch) und unbewussten Verhaltensmustern (Programme).
Die Methodik greift auf Erkenntnisse aus der Psychologie und der Sprach- und Gehirnforschung zurück. Durch NLP ist erfolgreiche Kommunikation sowie zielorientiertes Denken und Handeln für die persönliche Weiterentwicklung lehr- und lernbar geworden. Quelle: ÖTZ

Denn: Menschen haben unterschiedliche soziale und persönliche Erfahrungen und verarbeiten sie sprachlich individuell. Karber: "Schon das Bewußtsein begrenzt unser Verhalten, schränkt uns quasi ein." Wer also meint, ein Vorgesetzter habe keine Ahnung davon, was es heißt, eine Familie zu erhalten, wird sich bei einer Gehaltsverhandlung ungemein schwerer tun, als jemand, der ohne Vorurteile ins Rennen geht.

Real Life Coaching heißt die Methode, die helfen soll, solche mentale Stolpersteine aus dem Weg zu räumen. Dabei begleitet der Coach seinen Klienten zum Beispiel zu einem Verkaufsgespräch und gibt sich als Mitarbeiter oder Trainee aus. So hat er die Möglichkeit, die Situation zu beobachten, ohne sich einzumischen. "Auf Basis der gesammelten Information arbeite ich schließlich gemeinsam mit dem Coachee an der Verbesserung seiner Kommunikation und Intervention", führt Karber aus. Dabei ist das oberste Ziel des Coachs: "To bring out the best of somebody." Anschließend wird das ganze Spiel noch einmal von vorne durchgespielt. Der Trainer konzentriert sich dabei auf die Fortschritte seines Klienten.

Bei Gehaltsverhandlungen ist Karber natürlich nicht vor Ort präsent: "In solchen Fällen arbeite ich mit meinem Klienten schon im Vorfeld." Aber auch hier dreht sich alles um die entscheidende Frage: Welche Reaktionen hat mein Verhalten bei meinem Gegenüber ausgelöst und was könnte ich in Zukunft anders machen? Das Coaching hat seine Wirkung nicht verfehlt: "Oft merken die Klienten nicht, dass sie Auslöser der Veränderungen sind", erzählt Karber. Nicht selten bekommt der Lebens- und Sozialberater verwundert das Feedback: "Ich habe mich wie gewohnt verhalten, aber die Kollegen reagieren plötzlich ganz anders."

Ute Langthaler; Quelle: Die Presse (Karriere), 13.-14.11.99, S. 14.


 

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