Einrichtungscoaching mit NLP

Vorwort - „Von Visionen und Realitäten“

Mit 20 Jahren suchten mein damaliger Partner und ich eine gemeinsame Wohnung und entdeckten dabei ein leer stehendes Dachgeschoß einer Villa, die um 1900 erbaut worden war. Die Wohnung war stark heruntergekommen und seit Jahren nicht benutzt worden. Die anderen Mieter des Hauses hielten sie für unbewohnbar.

 

Doch mein Freund und ich hatten eine Vision:
Wir entdeckten die Schönheit der alten Fenster und übersahen die zerbrochenen Scheiben. Wir spürten den Charme der verwinkelten Zimmer und ignorierten den Zentimeter dicken Staub. Wir blickten durch Spinnweben hinaus in einen traumhaften Garten und überhörten das Knirschen der morschen Holzdielen unter unseren Füßen. Unsere Begeisterung steckte den Hauseigentümer an: wir durften dort wohnen, ohne Miete zu zahlen. Als Gegenleistung wollten wir die Wohnung renovieren, Fußböden erneuern, ein Bad einbauen. Er übernahm die Materialkosten. Neugierig geworden auf das „Schlößchen mit dem Erkerzimmer“, kamen unsere Eltern noch vor der Renovierung vorbei. Voller Stolz führten wir durch unseren Palast, der vor unserem geistigen Auge bereits zu neuem Glanz erstrahlt war. Doch unsere Eltern konnten die Schönheit der Wohnung nicht entdecken. Sie sahen nur eine Maus, die durchs Wohnzimmer rannte und in einem der breiten Setzrisse in der Wand verschwand...

Worum geht es in dieser Geschichte? Möglicherweise ums Wohnen.
Und vielleicht auch um Wahrnehmung, um Visionen und Ziele, um Motivationsstrategien, und um eine transderivationale Suche: nämlich dem Bedürfnis, die Lücken zwischen vorhandenen Fragmenten mit eigenen Bildern zu füllen. Kurz gesagt: es geht um NLP.

 

1 Einführung

Vor einigen Monaten habe ich mich als Beraterin für Inneneinrichtung und Raumgestaltung selbständig gemacht. Prompt kamen die ersten Anfragen aus dem Freundes- und Bekanntenkreis: „Welche Wandfarbe paßt zu meiner Küche? Woher bekomme ich eine bestimmte Lampe?“ Je konkreter die Fragen waren, desto schneller konnte ich weiterhelfen. Schwieriger wurde es für mich, wenn jemand so gar keine Ahnung zu haben schien, was er wollte. Ich unterbreitete Vorschläge, skizzierte Entwürfe. Sie wurden mit Interesse betrachtet
und doch eine andere Variante gewählt. Irgendwas hatte ich offenbar falsch gemacht.

Bis mir plötzlich dämmerte, daß ich viel zu früh vorgeschlagen, aber zuwenig nachgefragt hatte. Natürlich war von mir professioneller Rat erwartet worden. Doch gleichzeitig wollte auch jeder seine Ideen in der Wohnung verwirklichen. Auch diejenigen, die mit unpräzisen Fragen ankamen wie: „Was kann ich in dem Wohnzimmer noch anders machen?“ Ich begriff, daß dies keine Blankovollmacht zur Umgestaltung war, sondern die Bitte um Hilfestellung, mit ihnen ihre Wohnbedürfnisse herauszufinden.

 

Und so besann ich mich auf meinen Spezialwerkzeugkasten: angefüllt mit NLP-Werkzeug. Ich mußte es nur noch nutzen.

 

2 Erkenntnisse aus der Wohnpsychologie
2.1 Grundbedürfnisse des Wohnens

„Wenn einem ein Raum gefällt, dann spürt man das,
man denkt es nicht. Architektur ist eine sinnliche Kunst.“
(Peter Zumthor, Schweizer Architekt)

Wohnen ist eine höchst individuelle Angelegenheit. Über Einrichtungsgeschmack läßt sich nicht streiten, ebenso wenig wie über die bevorzugte Art einer Person, sich zu kleiden. Dennoch gibt es einige Grundbedürfnisse, die durch eine Wohnung erfüllt werden sollten:

 

physische Elementarbedürfnisse:
Schutz vor Witterungseinflüssen
Sicherheit vor Eindringlingen, um in Ruhe schlafen, essen und entspannen zu können.


psychische Elementarbedürfnisse:
Wunsch nach Geborgenheit, Beständigkeit, gestalteter Umwelt, ein Zuhause zu haben, in der die Einzelperson oder die Lebensgemeinschaft ihr Leben gestalten kann.


Intimsphäre – Rückzugsmöglichkeiten und die Fähigkeit, die Privatsphäre zu kontrollieren.

Darüber hinaus haben wir ein Bedürfnis nach freier Entfaltung der Persönlichkeit
Bedürfnis nach Repräsentation und Selbstdarstellung

 

Bedürfnis nach Komfort: wir wollen es bequem haben, warm und behaglich.

2.2 Konflikte durch unterschiedliche Bedürfnisse

Obwohl für viele Wohnungen die o. g. Kriterien objektiv erfüllt sind, können Spannungen für die Bewohner entstehen, wenn die jeweiligen Bedürfnisse nicht aufeinander abgestimmt sind.

 

Konflikte zwischen den Mitbewohnern:

Die Wohnbedürfnisse der einzelnen Bewohner widersprechen einander: so kann etwa der Platzbedarf des einen (etwa nach einem großen Arbeitszimmer) den Raum des anderen einschränken. Einer möchte Musik hören, der andere braucht Ruhe usw.


Zu den größten Belastungsproben einer Beziehung gehört daher nach Meinung von Familientherapeuten ein Hausbau. In der Planung für den gemeinsamen Lebensraum zeigt sich, worüber sich das Paar bereits Gedanken gemacht und Absprachen getroffen hat. Oder auch nicht. Wie viele Kinderzimmer werden eingeplant, möchte die Frau ein eigenes Zimmer, sollen später die Eltern mit einziehen und ggf. gepflegt werden? Diese Fragen erstmals unter dem Zeitdruck und Streß eines Hausbaus zu erörtern, ist äußerst riskant. „Haus fertig – Ehe auch!“ lautet demnach auch die Erfahrung vieler Familientherapeuten.

 

Widersprüchliche Bedürfnisse einer Einzelperson:

Spannungen können auch entstehen, wenn die Bedürfnisse einer Person einander widersprechen, oder nicht klar ist, welches Bedürfnis Vorrang haben soll. Nehmen wir zum Beispiel Häuser, die in den letzten Jahren nach den gängigen Wohnidealen gebaut oder renoviert worden sind: So sind etwa hohe Fenster oder verglaste Hausfronten in Mode gekommen, durch die der Bewohner einen freien Blick nach draußen hat. Dadurch bekommen jedoch auch Spaziergänger, die vorbeilaufen, ungehindert Einblick in den Wohnraum. Nicht jeder Bewohner kommt damit klar.


Im vergangenen Jahr wurden von der Zeitschrift Schöner Wohnen Preise an Bauherren verliehen, deren Bäder nach Meinung der Jury besonders gelungen sind. Zu den prämierten Badezimmern gehörte eines, das vom Schlafzimmer nur durch eine durchgehende Glaswand getrennt ist - mit Blick auf die Toilette inklusive.


Hier wird deutlich, wie schnell Konflikte etwa zwischen dem Bedürfnis nach Repräsentation (nämlich einem modernen, gestylten Haus) und dem Bedürfnis nach Rückzug und Intimsphäre entstehen können.

2.3 Wohnbedürfnisse in unterschiedlichen Lebensphasen

Im Laufe des Lebens verändern sich auch die Ansprüche an die Wohnung: ein Paar hat andere Bedürfnisse als eine Familie mit kleinen Kindern, ein älteres Ehepaar wird andere Schwerpunkte setzen als Studenten in einer Wohngemeinschaft. Am Beispiel eines Familienzyklus möchte ich dies verdeutlichen:

Ein Single kann sich bei der Wohnungsgestaltung von seinen eigenen Wünschen und finanziellen Möglichkeiten leiten lassen. Sobald er / sie mit einem Partner zusammenzieht, sind die ersten Kompromisse notwendig. Wie viel Platz beansprucht jeder, wie harmonieren die unterschiedlichen Wohnstile? Wie viel Raum haben wir für gemeinsame Aktivitäten?


Kommen Kinder dazu, erweitert sich der Platzbedarf ein weiteres Mal. Wo werden die Zimmer optimal positioniert? In der Nähe des Elternschlafzimmers? Reicht eine Wohnung mit Balkon oder muß ein Garten zum Spielen her?
Teenager dagegen bevorzugen ein Zimmer, das nicht unmittelbar ans elterliche Zimmer angrenzt. Sie brauchen bereits ihre eigene Privatsphäre.
Sind die Kinder aus dem Haus, stellt sich die Frage nach den leeren Räumen: „Sollen wir untervermieten? Oder sie als Gästezimmer behalten? Oder gar das viel zu groß gewordene Haus verkaufen und endlich in den Süden ziehen?“
Schließlich verändert auch der Tod eines Partners oder eine Trennung das Leben und damit auch die Wohnbedürfnisse.

 

2.4 Was macht ein Haus zum Zuhause?
Ein wahres Zuhause kann uns beschützen,
heilen und wieder aufbauen, es kann ausdrücken,
was wir heute sind, und uns helfen zu werden,
wer wir bestimmt sind zu sein.
(James Yandell, früherer Präsident des C.G.Jung-Instituts in San Francisco)

Oft verharren Menschen aus Gewohnheit in ihrer Umgebung, ohne auf die Idee zu kommen, etwas zu verändern. Doch während es selbstverständlich erscheint, Kleidung, die nicht mehr paßt, weg zu geben, bleibt in einer „unpassenden“ Wohnung häufig alles beim Alten.


Woran liegt das? Sind diese Menschen nur zu träge, etwas zu ändern? Welchen Grund kann es geben, wenn eine 80jährige in ihrer Wohnung im vierten Stock (ohne Aufzug) wohnen bleiben möchte, obwohl sie die Treppen kaum noch hoch kommt?

Die Antwort ist meist simpel: „Da bin ich einfach zu Hause!“

 

Was bedeutet „zu Hause sein“ jedoch konkret? Selbst Wohnexperten und Psychologen finden keine einheitliche Antwort. Vom „Ort, an den wir zurückkehren“ ist dabei die Rede, von einem „Fixpunkt unseres emotionalen Kompasses“. Ein Zuhause ist ein Ort, an dem wir uns wiederfinden, an dem wir die sozialen Kontakte haben können, die wir uns wünschen, an dem Erinnerungen hängen oder in dem unser Besitz steckt. Dazu gehören Dinge, die uns etwas bedeuten, auch wenn diese in den Augen anderer Betrachter vielleicht schon zu alt, zu verschlissen, unmodern oder gar Ballast sind.

Rational ist dieser Begriff nicht zu fassen. Der Versuch, ein Zuhause zu beschreiben, mündet früher oder später in der Erkenntnis, das dies eine sehr persönliche und individuelle Entscheidung ist, die jeder selbst trifft. Wir vergleichen unsere Wohnung mit den Bildern, Gerüchen, Geräuschen, die wir mit Geborgenheit, Wohlfühlen, Zuhause-Sein verbinden und entscheiden uns dann, ob diese Bilder etc... für uns „richtig“ sind. Dies ist selten ein bewußter Prozess, sondern ein Zusammenspiel zwischen unserer sinnlichen Wahrnehmung und den individuellen Verarbeitungsprozessen im Gehirn. Letztlich entscheidet unser Gefühl, das uns die Gewissheit gibt „hier gehörst Du hin!“

 

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